Mehr als 100.000 Menschen in Österreich haben albanische Wurzeln – und Österreich hat sie länger angeworben als Deutschland. Das Abkommen, das die ersten von ihnen ins Land brachte, wurde im November 1965 in Wien unterzeichnet, drei Jahre bevor die Bundesrepublik ihr eigenes abschloss. Sechzig Jahre später zählt die Community zu den am festesten verwurzelten des Landes – und zugleich zu jenen, die am seltensten einen österreichischen Pass besitzen.
Von diesem Widerspruch handelt diese Seite. Österreich öffnete seinen Arbeitsmarkt früh für die albanischsprachige Welt und hat die zweite Tür, einmal geschlossen, nie wieder aufgemacht. Zwei Regeln bewirken das: Seit 1965 verlangt Österreich von neuen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern, den Pass abzugeben, mit dem sie geboren wurden – Deutschland und die Schweiz tun das nicht mehr –, und seit der Reform von 2006 hat sich die Zahl der Einbürgerungen nie wieder erholt. In Wien, wo die Community am größten ist, darf mehr als jeder dritte Erwachsene in der Stadt, in der er lebt, nicht wählen.
Österreich macht das zudem ungewöhnlich gut sichtbar. Die Statistik des Landes veröffentlicht zwei Zählungen derselben Menschen zum selben Stichtag: wie viele eine bestimmte Staatsangehörigkeit besitzen und wie viele in einem bestimmten Land geboren wurden – beides aus dem Bevölkerungsregister, beides jährlich, beides zurück bis 2002. Die vergleichbaren Herkunftsdaten in Deutschland stammen dagegen aus dem stichprobenbasierten Mikrozensus. Die Lücke zwischen den beiden österreichischen Zahlen ist genau jener Teil der Community, den der Pass nicht erfasst – und sie ist gemessen, nicht modelliert.
Mehr zu diesem Thema findest du in Albaner in Deutschland: Eine millionenstarke Community und Albaner in der Schweiz: Zahlen, Geschichte und Community.
Letzte Quellenprüfung: 1. August 2026. Amtliche Statistik, politische Kennzahlen und redaktionelle Einordnung sind durchgehend getrennt gekennzeichnet.
Wie viele Albanerinnen und Albaner leben in Österreich?
Mehr als 100.000 Menschen – von denen rund 75.000 in den amtlichen Tabellen unmittelbar sichtbar sind. Österreich erfasst, so wie Deutschland, keine ethnische Zugehörigkeit. Aber es erfasst zwei Größen statt einer, und das verändert, was sich überhaupt wissen lässt.
Am 1. Jänner 2026 waren 78.074 in Österreich lebende Menschen im Kosovo, in Nordmazedonien oder in Albanien geboren. Am selben Tag besaßen nur 61.444 eine dieser drei Staatsangehörigkeiten. Die Differenz von 16.630 Personen ist kein Rundungsfehler und keine konkurrierende Schätzung: Es ist dieselbe Bevölkerung, zweimal gezählt, und die Lücke besteht aus Menschen, die dort geboren wurden und seither Österreicher geworden sind – oder die den Pass jenes Landes, in dem sie zur Welt kamen, nie besessen haben.
Wie die Schätzung entsteht
Das Geburtsland ist die bessere Grundlage, weil es die erste Generation erfasst, ganz gleich, welchen Pass sie heute trägt. Der Kosovo steuert 39.298 Menschen direkt bei, Albanien 6.523. Nordmazedonien verlangt den einzigen Koeffizienten, den diese Seite verwendet: Die Volkszählung 2021 ergab, dass sich 66,36 Prozent der registrierten, nicht im Land ansässigen Bevölkerung als albanisch bezeichneten, sodass die 32.253 in Nordmazedonien geborenen Einwohner rund 21.403 beisteuern.
Dazu kommt die zweite Generation, die für das Geburtsland unsichtbar bleibt: Kinder, die in Österreich zur Welt gekommen sind und weiterhin einen kosovarischen, albanischen oder nordmazedonischen Pass besitzen statt eines österreichischen. Österreich veröffentlicht die bundesweite Zahl – 288.698 in Österreich geborene Menschen besitzen eine ausländische Staatsangehörigkeit, 15,4 Prozent aller ausländischen Staatsangehörigen – und wendet man diesen Anteil auf die drei Staatsangehörigkeitszeilen an, kommen rund 8.000 weitere hinzu.
| Strang | Amtlicher Ausgangswert | Wie damit umgegangen wird | Beitrag |
|---|---|---|---|
| Im Kosovo geboren | 39.298 im Kosovo geborene Einwohner | Vollständige Zeile; erfasst die erste Generation unabhängig vom Pass | 39.298 |
| In Nordmazedonien geboren | 32.253 in Nordmazedonien geborene Einwohner | Gewichtet mit dem albanischen Anteil von 66,36 % unter der registrierten, nicht im Land ansässigen Bevölkerung Nordmazedoniens | ≈ 21.403 |
| In Albanien geboren | 6.523 in Albanien geborene Einwohner | Vollständige Zeile | 6.523 |
| In Österreich geboren, ausländischer Pass | 15,4 % aller ausländischen Staatsangehörigen in Österreich wurden in Österreich geboren | Anteil angewendet auf die drei Staatsangehörigkeitszeilen (für Nordmazedonien gewichtet) | ≈ 8.037 |
| Sichtbare Basis | Kein Aufschlag, keine erfundenen Werte für andere Wege | Was die beiden amtlichen Messgrößen gemeinsam zeigen können | ≈ 75.000 |
Die beiden Messgrößen überschneiden sich nur unvollkommen – wer im Kosovo geboren wurde, kann die serbische Staatsangehörigkeit besitzen, und der Anteil der zweiten Generation ist ein bundesweiter Durchschnitt, der auf drei bestimmte Gruppen angewendet wird. Das ist ein Modell der Größenordnung, keine Zählung einzelner Personen.
Was jenseits der 75.000 liegt, ist keine Spekulation, sondern eine Liste benannter, dokumentierter Lücken: Albaner aus dem Preševo-Tal, die unter den 141.785 in Serbien geborenen Einwohnern Österreichs mitgezählt werden; Albaner aus Montenegro; Familien, die eingebürgert wurden und deren in Österreich geborene Kinder in überhaupt keiner Herkunftszeile auftauchen. Jede einzelne davon wird in der vollständigen Bilanz am Ende dieser Seite aufgeschlüsselt und eingegrenzt.
Sechzig Jahre: das Abkommen, die Fabriken, der Krieg
Die albanische Geschichte Österreichs beginnt mit einer Unterschrift – und das Datum wird meist falsch gedruckt. Das Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien über die Beschäftigung jugoslawischer Arbeitnehmer in Österreich wurde am 19. November 1965 in Wien unterzeichnet – für Österreich von Bruno Kreisky. Der häufig zitierte „4. April 1966“ ist bloß der Tag, an dem es im Bundesgesetzblatt erschien. So oder so war Österreich früher dran als der Nachbar: Das entsprechende jugoslawische Abkommen der Bundesrepublik Deutschland kam erst im Oktober 1968.
Der Vertrag war ungewöhnlich deutlich, wenn es um das Geld ging, das nach Hause floss. Artikel 13 garantierte jugoslawischen Arbeitnehmern das Recht, ihre in Österreich erübrigten Einkünfte „in freien Schilling oder in anderer frei konvertierbarer Währung“ zu überweisen – Rücküberweisungen, vom ersten Tag an völkerrechtlich verankert. Die Anwerbung selbst lag bei einer ständigen gemischten Kommission mit höchstens drei Mitgliedern je Seite, die entschied, wer kam.
Die Zahlen bewegten sich schnell. Die Ausländerbeschäftigung in Österreich stieg von rund 17.700 im Jahr 1962 auf etwa 250.000 am Höhepunkt 1973, und jugoslawische Staatsangehörige stellten davon 78,5 Prozent. Unter ihnen waren, unsichtbar, Albanerinnen und Albaner aus dem Kosovo und aus dem Westen Nordmazedoniens. Keine österreichische Statistik jener Zeit wies sie gesondert aus – die Forschung erkennt sie jedoch an einem charakteristischen Merkmal: dem fast völligen Fehlen von Frauen. Die kosovo-albanische Arbeitsmigration dieser Jahre war ganz überwiegend männlich und als vorübergehend gedacht.
Vorübergehend blieb sie nicht. Nach dem Anwerbestopp von 1974 holten die Männer, die blieben, Frauen und Kinder nach, und aus einer rotierenden Arbeitskraft wurde eine ansässige Gemeinschaft. Das ist derselbe Bogen wie in Deutschland – nur begann er in Österreich früher, weshalb die dritte Generation hier heute tatsächlich erwachsen ist.
1999: eine Evakuierung, getragen von den Gastarbeitern
Der Kosovokrieg brachte den zweiten prägenden Moment der Gemeinschaft, und die österreichische Fassung dieser Geschichte hat ein Detail, das keine andere hat. In den Jahren 1998 und 1999 zusammen stellten mehr als 13.000 jugoslawische Staatsangehörige – zum größten Teil Kosovaren – in Österreich einen Asylantrag, 2.953 erhielten Flüchtlingsstatus. Daneben führte Österreich eine Evakuierung durch: 5.123 Kosovo-Albanerinnen und -Albaner wurden aus Lagern in Mazedonien ausgeflogen, weitere 127 kamen über die österreichische Botschaft in Tirana.
Das Auswahlkriterium war, wie das Innenministerium später dem Parlament mitteilte, die familiäre Bindung zu Kosovo-Albanern, die bereits als Gastarbeiter, Flüchtlinge oder Asylwerber in Österreich lebten. Mit anderen Worten: Die Rettung von 1999 verlief entlang der Familienlinien, die das Abkommen von 1965 gelegt hatte. Die Männer, die in den späten 1960er-Jahren in österreichische Fabriken angeworben worden waren, waren drei Jahrzehnte später der Grund dafür, dass ihre Verwandten aus einem Krieg ausgeflogen werden konnten. Das Programm erreichte seinen Höchststand am 3. Juni 1999 mit 5.046 betreuten Personen; im April 2000 waren es nur noch 1.227.
Seither: ein Zugang über die Arbeit, schmal, aber real
Kosovo steht seit der ursprünglichen Herkunftsstaaten-Verordnung auf Österreichs Liste der sicheren Herkunftsstaaten – nicht, wie manchmal geschrieben wird, erst seit 2015. Im österreichischen Rekordasyljahr 2015 lag Kosovo mit 2.487 Anträgen an sechster Stelle der Staatsangehörigkeiten, nur 10 davon erhielten Asyl. Albanien kommt in der österreichischen Asylstatistik praktisch überhaupt nicht vor: Der Höchstwert lag bei 140 Anträgen – das Gegenteil der deutschen Erfahrung.
Was es stattdessen gibt, ist Arbeitsmigration über Kontingente. Die Saisonkontingentverordnung 2026 legt ein Tourismuskontingent von 5.500 fest und zusätzlich 2.500 Plätze, die eigens Staatsangehörigen von Bosnien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien vorbehalten sind – Österreichs eigene, viel kleinere Antwort auf die deutsche Westbalkanregelung. Albanien ist nicht dabei. Darüber steht die Rot-Weiß-Rot-Karte für Mangelberufe, bei der Albanien 2022 mit 158 Karten den neunten Platz unter allen Staatsangehörigkeiten belegte.
Wo leben die Albaner in Österreich?
Fragt man, wo Österreichs Balkan-Communities leben, lautet die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an, welche gemeint ist. 62 Prozent der serbischen Staatsangehörigen Österreichs leben in Wien. Die albanischsprachigen Gemeinschaften sind weit breiter gestreut – und die Kosovaren am wenigsten konzentriert von allen.
Am 1. Jänner 2026 zählte Oberösterreich 8.216 kosovarische Staatsangehörige gegenüber 7.501 in Wien. Nach dem Geburtsland gemessen liegen die beiden gleichauf (10.190 gegenüber 10.326). So oder so ist das Muster eindeutig: Die kosovarische Gemeinschaft folgte dem Industriegürtel – Linz, Wels, Steyr – und nicht der Hauptstadt. Das ist das unmittelbare Erbe des Abkommens von 1965, das Arbeitskräfte in die Fabriken lenkte, nicht in die Büros.
| Bundesland | Kosovarische Staatsangehörige | Nordmazedonische Staatsangehörige | Albanische Staatsangehörige | In den drei Ländern geboren |
|---|---|---|---|---|
| Wien | 7.501 | 11.039 | 2.315 | 26.970 |
| Oberösterreich | 8.216 | 6.212 | 604 | 17.944 |
| Niederösterreich | 4.903 | 5.882 | 431 | 14.238 |
| Steiermark | 4.055 | 1.327 | 444 | 7.470 |
| Salzburg | 2.061 | 1.471 | 148 | 4.315 |
| Kärnten | 1.112 | 568 | 169 | 2.751 |
| Vorarlberg | 627 | 487 | 84 | 1.816 |
| Tirol | 672 | 331 | 120 | 1.561 |
| Burgenland | 431 | 196 | 38 | 1.009 |
| Österreich | 29.578 | 27.513 | 4.353 | 78.074 |
Insgesamt liegt Wien weiterhin voran, bei zwei der drei Stränge sogar mit deutlichem Abstand: 53 Prozent der albanischen und 40 Prozent der nordmazedonischen Staatsangehörigen Österreichs leben in der Hauptstadt. Innerhalb der Stadt konzentrieren sich die Balkan-Communities im Arbeiterwesten und -süden – Favoriten, Ottakring, Rudolfsheim-Fünfhaus, Simmering, Floridsdorf. Favoriten und Rudolfsheim-Fünfhaus sind Wiens internationalste Bezirke, beide mit 46,2 Prozent Nicht-Österreichern; in Rudolfsheim-Fünfhaus ist die Mehrheit der Bewohner im Ausland geboren.
Jenseits von Wien ist das Bild wahrhaft föderal. Im Juli 2026 zählte Graz 1.925 Kosovaren, 887 Nordmazedonier und 317 Albaner. Die Stadt Salzburg verzeichnete 785 Kosovaren und 606 Nordmazedonier. Vorarlberg – das türkischste Bundesland Österreichs – hat eine der kleinsten albanischsprachigen Bevölkerungen, eine Erinnerung daran, dass die Geografie der Gastarbeit Dorf für Dorf entstand und keiner nationalen Logik folgte.
Die Tür, die sich schloss
Hier trennt sich Österreichs Geschichte endgültig von jener Deutschlands. Im Juni 2024 strich Deutschland die Pflicht, den alten Pass abzugeben, und verkürzte die erforderliche Aufenthaltsdauer auf fünf Jahre; die Einbürgerungen aus dem albanischsprachigen Raum erreichten prompt Rekordwerte. Österreich ging achtzehn Jahre früher den umgekehrten Weg – und ist ihn nie wieder zurückgegangen. Verschlossen war die Tür nicht immer: 2003 bürgerte Österreich 44.694 im Land lebende Menschen ein. Dann änderte es die Regeln.
Das österreichische Recht zieht es nicht bloß vor, dass man die bisherige Staatsbürgerschaft aufgibt. Nach §20 des Staatsbürgerschaftsgesetzes wird die Staatsbürgerschaft zunächst nur zugesichert – verliehen wird sie erst gegen den Nachweis, dass die alte Staatsangehörigkeit abgelegt wurde. Nach §10(3) darf sie nicht verliehen werden, wenn jemand die dafür nötigen Schritte unterlässt. Die reguläre Aufenthaltsdauer beträgt zehn Jahre. Der Einkommensnachweis blickt sechs Jahre zurück und verlangt den Beleg ausreichender regelmäßiger Einkünfte in 36 dieser 72 Monate.
Die Wirkung zeigt sich in einer einzigen Grafik.
Die Reform von 2006 (BGBl. I Nr. 37/2006, in Kraft seit 23. März 2006) hob die Hürden bei Aufenthalt, Einkommen und Sprache gleichzeitig an. Die Einbürgerungen im Inland fielen von 44.694 im Jahr 2003 auf 6.135 im Jahr 2010 – ein Rückgang um 86 Prozent. In Wien war der Einbruch noch steiler, von 18.085 auf 1.745. Zwei Jahrzehnte später hat sich der Wert erst wieder auf 15.512 erholt, rund ein Drittel des Niveaus von 2003 – und das in einem Land, dessen ausländische Wohnbevölkerung inzwischen um Hunderttausende gewachsen ist.
Für die albanischsprachige Community sind die Jahreszahlen klein und stabil. 2025 bürgerte Österreich 414 frühere kosovarische, 272 nordmazedonische, 105 albanische und 11 montenegrinische Staatsangehörige ein. In den zwölf Jahren von 2014 bis 2025 ergaben diese vier Herkunftsstaaten zusammen 10.597 neue Österreicherinnen und Österreicher – ungefähr so viel, wie die Community aus eigener Kraft in fünf Jahren wächst, verteilt auf zwölf. Österreichweit lag die Einbürgerungsrate 2025 bei 0,8 Prozent; für kosovarische Staatsangehörige ergibt sie rund 1,4 Prozent.
Hier geboren und trotzdem fremd
Österreich kennt kein Geburtsortsprinzip. Ein in Wien geborenes Kind kosovarischer Eltern kommt als Kosovare zur Welt. Am 1. Jänner 2026 lebten 288.698 Menschen in Österreich, die in Österreich geboren wurden und keine österreichische Staatsbürgerschaft besaßen – 15,4 Prozent aller ausländischen Staatsangehörigen im Land. Allein in Wien sind es 113.549.
Die Geburt in Österreich verkürzt die Wartezeit immerhin: §11a erlaubt die Einbürgerung nach sechs statt nach zehn Jahren. Doch sechs Jahre durchgehend rechtmäßiger Aufenthalt, ein unbescholtenes Vorleben, ausreichendes Einkommen und ein Sprachzertifikat sind ein weiter Weg für jemanden, der nie woanders gelebt hat.
Die Stimme, die einem Drittel der Stadt fehlt
Die Staatsbürgerschaft ist in Österreich keine Formsache – sie ist das Wahlrecht. Ein kommunales Wahlrecht für Drittstaatsangehörige gibt es nicht. Wien versuchte 2003, eines zu schaffen, und dehnte das Wahlrecht auf Bezirksebene auf lange ansässige Nicht-Staatsbürgerinnen und -Staatsbürger aus; der Verfassungsgerichtshof hob das Gesetz am 30. Juni 2004 auf, weil die Bundesverfassung das Wahlrecht den Staatsbürgern vorbehält.
Bei der Wiener Gemeinderatswahl am 27. April 2025 konnten 610.795 Menschen im wahlfähigen Alter – 35,6 Prozent – nicht mitstimmen. Unter den 31- bis 44-Jährigen lag der Anteil bei 46,4 Prozent, unter den 16- bis 30-Jährigen bei 44,4 Prozent. Seit 2002, als er 15,9 Prozent betrug, hat er sich mehr als verdoppelt. Und es handelt sich nicht durchwegs um neu Zugezogene: Anfang 2023 lebten in Wien 101.072 in Österreich geborene Menschen ohne österreichischen Pass, 27.082 davon bereits im wahlfähigen Alter.
Das ist die strukturelle Tatsache, die das albanische Gemeinschaftsleben in Österreich prägt. Sie erklärt, warum im September 2024 kein Kandidat albanischer Herkunft in den Nationalrat mit seinen 183 Sitzen gewählt wurde und warum albanische politische Teilhabe dort am stärksten ist, wo nicht die Staatsbürgerschaft, sondern der Wohnsitz noch etwas zählt – in Elternvertretungen, Betriebsräten, Vereinen und Gemeinderäten kleiner Orte. Das bürgerschaftliche Engagement der Community ist real; nur das Wahlrecht ist ihm bislang nicht gefolgt.
Arbeit, Geld und die transnationale Wirtschaft
Das Abkommen von 1965 schickte Albaner in österreichische Fabriken, und ihre Nachkommen arbeiten bis heute überproportional in jenen Branchen, die das Land bauen und am Laufen halten. Unter den Männern am österreichischen Bau haben 36,6 Prozent Migrationshintergrund – übertroffen nur vom Gastgewerbe mit 57,3 Prozent. 2024 gab es in Österreich 10.902 Beschäftigte mit kosovarischer und 11.885 mit nordmazedonischer Staatsbürgerschaft.
Das Geld, das in die Gegenrichtung fließt, ist am empfangenden Ende dokumentiert. Die Zentralbank des Kosovo verzeichnet, dass Österreich 2025 59,1 Millionen Euro in den Kosovo überwiesen hat – 4,18 Prozent der gesamten Rücküberweisungen von 1,41 Milliarden Euro, womit Österreich nach Deutschland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten das viertgrößte Herkunftsland ist. Seit 2015, als es 23,2 Millionen Euro waren, ist dieser Wert um 154 Prozent gewachsen; seit 2009 hat Österreich insgesamt rund 671 Millionen Euro überwiesen. Artikel 13 des Abkommens von 1965 wirkt bis heute.
Ein Teil dieses Geldes reist über österreichische Institutionen in die andere Richtung: Die Raiffeisen Bank Kosovo ist, gemessen am Kreditvolumen, die größte Bank des Landes, mit 36 Filialen und 937 Beschäftigten; eine Überweisung aus Linz landet also häufig in einer Filiale in österreichischem Eigentum in Pristina. Österreich ist seit 1999 ein prioritärer Geber im Kosovo, und im Warenhandel mit dem Land verzeichnet es einen stabilen Überschuss – 116 Millionen Euro an Exporten gegenüber 17 Millionen Euro an Importen im Jahr 2025.
Unter all dem liegt eine härtere Zahl. Die Selbstständigenquote unter Menschen mit Herkunft aus dem ehemaligen Jugoslawien außerhalb der EU liegt bei 4,8 Prozent – dem niedrigsten Wert aller in Österreich erfassten Herkunftsgruppen, gegenüber 10,6 Prozent bei Personen ohne Migrationshintergrund, und das mittlere jährliche Nettoeinkommen betrug 2023 26.878 Euro gegenüber 33.424 Euro. Die wirtschaftliche Position der Community ist stark bei der Beschäftigung und schwach beim Eigentum: genau das, was sechzig Jahre Zuwanderung über ein Arbeitskräftekontingent statt über ein Unternehmervisum hervorbringen.
Sprache, Glaube und Gemeinschaft
Der klarste Gradmesser dafür, ob eine Gemeinschaft bleibt, ist die Sprache, die ihre Kinder zu Hause sprechen. In Österreich ist die Antwort eindeutig.
16.412 Schülerinnen und Schüler gaben 2024/25 Albanisch als ihre erste Alltagssprache an – Platz sechs unter den nichtdeutschen Sprachen, statistisch gleichauf mit Bosnisch (16.444) und nur hinter Türkisch, Arabisch, Serbisch und Rumänisch. Unter den Vier- und Fünfjährigen in der Elementarbildung ist Albanisch bereits die sechsthäufigste Erstsprache: 1,9 Prozent von ihnen sprechen sie, mehr als Ungarisch, Polnisch und Ukrainisch. In den Kindergärten eines Landes erreicht eine Sprache diese Position nur, wenn Familien sich bewusst und in großer Zahl entscheiden, sie weiterzugeben.
Dabei erhalten sie institutionelle Unterstützung, und zwar schon länger, als die Gemeinschaft selbst sichtbar ist. Der albanische Zusatzunterricht in Wien geht auf 1987 zurück, als die kosovarischen Bildungsbehörden Shefqet Gashi als ersten albanischen Lehrer dorthin entsandten; später wurde er in den staatlich geförderten muttersprachlichen Unterricht Österreichs eingegliedert. 2018/19 war Albanisch die viertgrößte von 26 Sprachen im System, mit 1.651 Schülerinnen und Schülern, 22 Lehrkräften und 319 Wochenstunden. Bezeichnend ist, wo am meisten unterrichtet wird: außerhalb der Bundeshauptstadt. Oberösterreich zählte in jenem Jahr 594 albanische Schülerinnen und Schüler, Wien 301 – wieder die Geografie der Fabriken.
Bei der letzten Volkszählung, die danach fragte (2001), gaben 28.212 Einwohnerinnen und Einwohner Albanisch als Umgangssprache an, davon besaßen 3.766 bereits die österreichische Staatsbürgerschaft. Seither hat Österreich nicht mehr gefragt.
Zwei Glaubensrichtungen, eine Gemeinschaft
Das albanische Religionsleben in Österreich ist organisiert, rechtlich anerkannt und ähnlich aufgeteilt wie in der Heimat. Muslimische Albanerinnen und Albaner haben innerhalb der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich ihre eigene konstituierte Körperschaft: ALKIG, die Albanische Kultusgemeinde der IGGÖ. Die älteste und größte albanische Moscheegemeinde, der Verein Albanischer Muslime in Wien, wurde am 7. Juni 1994 im 16. Wiener Gemeindebezirk gegründet.
Die 1993 gegründete albanischsprachige katholische Gemeinde der Erzdiözese Wien zählt rund 1.300 Familien und mehr als 6.000 Gläubige in Österreich, Tschechien und der Slowakei, mit einem Wiener Kern von über 400 Familien. Seit 2012 leitet sie Don Nikson Shabani, erst der vierte Seelsorger ihrer Geschichte – eine Erinnerung daran, dass das albanische Österreich nicht nur eine muslimische Geschichte ist.
Der Sommerweg in die Heimat
Jeden Juli und August leert sich die Gemeinschaft Richtung Süden, und die Fluglinien planen damit. Austrian Airlines wird im Sommer 2026 766 Flüge auf der Strecke Wien–Pristina durchführen, 80 mehr als im Sommer davor und mit 10.939 zusätzlichen Sitzplätzen; die Frequenzen steigen von 10–12 wöchentlich im Frühjahr auf mehr als täglich in der Hochsaison. Im Juli 2021 verkehrte die Strecke erstmals in ihrer damals 21-jährigen Geschichte bis zu dreimal täglich. Der Flughafen von Pristina, der im Jahr 2025 4,6 Millionen Passagiere abfertigte, erlebt genau in diesen Wochen seinen stärksten Andrang.
Die Menschen, die Österreich geprägt haben
Das albanische Österreich ist kein junger Zusatz zum Kulturleben des Landes. Es hat an einem seiner Wahrzeichen mitgebaut, es hat jene Rolle geschaffen, mit der bis heute seine berühmtesten Festspiele eröffnet werden, und es hat Wien zu jener Stadt gemacht, in der das Albanische erstmals zum Universitätsfach wurde. Die Gastarbeiter von 1965 kamen in eine Beziehung, die damals schon hundert Jahre alt war.
Der Ingenieur des Semmering
Carl Ritter von Ghega
1802 in Venedig in eine venezianisch-adriatische Seefahrerfamilie geboren, baute Ghega die Semmeringbahn – die erste normalspurige Gebirgsbahn der Welt und seit 1998 UNESCO-Weltkulturerbe. Gegen die herrschende Meinung seines Fachs beharrte er darauf, dass sich das Massiv mit gewöhnlichen Adhäsionslokomotiven überwinden lasse; die Strecke, die er zwischen 1848 und 1854 hindurchtrieb, brauchte sechzehn Viadukte und fünfzehn Tunnel. Er stieg zum Generalinspektor der kaiserlichen Eisenbahnen auf, wurde 1851 geadelt, und ab 1968 zierte sein Gesicht den 20-Schilling-Schein, auf dessen Rückseite sein eigenes Viadukt zu sehen war.
Lithografie: Josef Kriehuber, 1851 / Wikimedia Commons · gemeinfrei
Das Viadukt Kalte Rinne
Ghegas zweigeschoßiges Viadukt bei Breitenstein trägt 170 Jahre nach seiner Errichtung noch immer planmäßige Züge. Die Semmeringbahn wurde 1998 von der UNESCO als „eine herausragende technische Leistung aus der Pionierzeit des Eisenbahnbaus“ in die Welterbeliste aufgenommen.
Foto: Häferl / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 AT
Der erste Jedermann
Alexander Moissi
Als Sohn des albanischen Kaufmanns und Reeders Konstantin Moisiu aus Durrës kam Moissi 1898 mit neunzehn Jahren nach Wien, kaum des Deutschen mächtig, und wurde zum gefeiertsten deutschsprachigen Schauspieler seiner Generation. Am 22. August 1920 stand er auf dem Salzburger Domplatz als erster Jedermann in Max Reinhardts Inszenierung von Hofmannsthals Mysterienspiel – jener Aufführung, die die Salzburger Festspiele als ihre eigene Geburtsstunde datieren. In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren kehrte er immer wieder in die Rolle zurück; 1935 starb er in Wien. Durrës benannte sein Theater und seine Universität nach ihm.
Fotografie aus Ernst Stern & Heinz Herald, Reinhardt und seine Bühne (1919), via Wikimedia Commons · gemeinfrei
Das Gesicht des deutschsprachigen Theaters
Moissi, von Nicola Perscheid auf dem Höhepunkt seines Ruhms aufgenommen. Er tourte durch Europa und Amerika, wurde immer wieder gemalt und in Plastiken festgehalten und bleibt der einzige Schauspieler, dessen Besetzung als Gründungsakt von Festspielen gilt, die seit mehr als hundert Jahren bestehen.
Foto: Nicola Perscheid · gemeinfrei. Biografie: Neue Deutsche Biographie
Wien erfand die Albanologie
Die wissenschaftliche Erforschung der albanischen Sprache begann in Österreich – teils durch Albaner, die zum Studium kamen, teils durch Österreicher, die ihr Berufsleben einer Sprache widmeten, die kaum einer ihrer Kollegen auf der Landkarte verorten konnte. Beide Hälften gehören zur Geschichte.
Gjergj Pekmezi
In Tushemisht bei Pogradec geboren, gelangte Pekmezi über Monastir und Belgrad nach Wien, schloss 1898 sein Studium der Philosophie und Philologie ab und begann noch im selben Jahr, an der Universität Albanisch zu unterrichten. 1903 wurde er zum Leiter des albanischen Lehrstuhls an der Orientalischen Akademie in Wien gewählt, 1904 gründete er in der Stadt den albanischen Verein Dija mit. Er machte aus der Sprache von Zuwanderern ein Universitätsfach.
Foto: Kel Marubi / Wikimedia Commons · gemeinfrei
Norbert Jokl
Jokl war kein Albaner. In Mähren in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren, arbeitete er an der Universitätsbibliothek Wien, brachte sich 1907 selbst Albanisch bei und wurde zum Begründer der wissenschaftlichen Albanologie; 1913 habilitierte er sich. 1938 wurde er auf Grundlage der nationalsozialistischen Rassengesetze entlassen; die Bemühungen albanischer Institutionen, ihn und seine Bibliothek nach Tirana zu holen, scheiterten. 1942 wurde er deportiert und ermordet. Das Gedenkbuch der Universität führt ihn unter ihren Opfern.
Foto: Charles Scolik / Wikimedia Commons · gemeinfrei
Eqrem bey Vlora
Einer der Delegierten, die am 28. November 1912 in Vlora die albanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichneten – und, seiner Bildung nach, ein Wiener. Als Neffe von Ismail Qemali besuchte er von 1899 bis 1903 das Theresianum, die Eliteakademie des Habsburgerreichs. Er schrieb auf Deutsch, verfasste seine Memoiren in dieser Sprache und starb 1964 in Wien. Albanische Staatlichkeit und österreichische Schulbildung liefen durch dieselben Menschen.
Foto: Wikimedia Commons · gemeinfrei
Lasgush Poradeci
Der Lyriker, der die albanische Dichtung modernisierte, tat es als Student in Österreich. Poradeci kam 1924 mit einem Stipendium nach Graz und blieb rund ein Jahrzehnt: Er studierte an der Karl-Franzens-Universität romanische und germanische Philologie und promovierte dort im Mai 1933 mit einer deutschsprachigen Dissertation. Heute wird er in jeder albanischen Schule gelesen; seine prägenden Jahre waren steirische.
Foto: Gegë Marubi / Wikimedia Commons · gemeinfrei
Die Linie reicht ungebrochen bis in die Gegenwart. Das Wiener Institut für Wissenschaft und Kunst erforscht bis heute die Geschichte der österreichischen Albanologie, und das von Jokl begründete Fach wird an österreichischen Universitäten weiterhin gelehrt.
Die Fußballer, die sich für Österreich entschieden
Hier kehrt Österreich das Muster seiner Nachbarn vollständig um. Von den im Ausland geborenen Spielern mit Einsätzen für die kosovarische Nationalmannschaft kamen 26 in der Schweiz und 21 in Deutschland zur Welt. Genau einer wurde in Österreich geboren – Vesel Demaku aus Altenmarkt an der Triesting in Niederösterreich. Der Grund ist nicht, dass Österreich weniger albanische Fußballer hätte. Der Grund ist, dass sie für Österreich spielten.
Ronald Gërçaliu
In Tirana geboren und mit elf Jahren nach Österreich gebracht, durchlief Gërçaliu die Akademie von Sturm Graz. Hans Krankl berief ihn 2005 ins Nationalteam, im August debütierte er gegen Schottland, und am Ende standen 14 Länderspiele für Österreich zu Buche – für jenes Land, in dem er als Kind ankam, nicht für jenes, in dem er geboren wurde.
Foto: Jacktd / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 AT
Atdhe Nuhiu
1989 in Pristina als Sohn von Eltern aus dem Preševo-Tal geboren, wuchs Nuhiu in Oberösterreich auf – erst in Ried im Traunkreis, dann in Wels. Mit Austria Kärnten und Rapid Wien schaffte er den Sprung in die österreichische Bundesliga, spielte 13-mal im österreichischen U-21-Team und verbrachte danach sieben Saisonen bei Sheffield Wednesday, ehe er sich für das Nationalteam des Kosovo entschied.
Foto: Shuriikn / Wikimedia Commons · CC BY 3.0
Das Muster wiederholt sich quer durch eine ganze Generation. Besian Idrizaj, 1987 in Baden bei Wien geboren, war beim LASK Österreichs Nachwuchsspieler des Jahres, ehe ihn Liverpool mit siebzehn verpflichtete; 2010 starb er im Schlaf, mit 22 Jahren, und Swansea City erinnert bis heute an den Jahrestag. Albert Vallçi, in Voitsberg geboren, der Vater aus Mitrovica, arbeitete sich über Kapfenberg, Lafnitz, Horn und Innsbruck nach oben, ehe ihn Red Bull Salzburg mit 23 holte, ohne Eliteakademie im Rücken. Sinan Bytyqi, mit einem Jahr nach Österreich gekommen, erzielte zehn Tore in Österreichs Nachwuchsnationalteams und unterschrieb bei Manchester City, ehe ein Herzleiden seine Spielerkarriere mit zwanzig beendete – heute arbeitet er in Wien als Trainer. Und Dijon Kameri, 2004 im Salzburger Stadtteil Maxglan geboren, führte Österreichs Nachwuchsteams als Kapitän aufs Feld und gewann einen Bundesliga-Titel, noch ehe er zwanzig war.
Wo das albanische Österreich wirklich berühmt wurde
Fragt man, wo sich die albanische Diaspora im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht hat, lautet die Antwort meist: in der Musik. Loredana und EAZ in der Schweiz, Dardan und Azet in Deutschland, allesamt Rapperinnen und Rapper an der Spitze der Charts. Österreich hat dazu kein Gegenstück. Geht man die gesamte Liste der österreichischen Hip-Hop-Acts durch, findet sich im Mainstream nicht ein einziger Name albanischer Herkunft – keine österreichische Loredana, keine österreichische Dhurata Dora.
Diese Leerstelle hat eine schlichte Erklärung. Die albanische Community in Österreich ist etwa ein Zehntel so groß wie die deutsche, und der Musikmarkt ist noch einmal kleiner; eine deutschsprachige Rapkarriere entsteht in Berlin, Stuttgart oder Zürich, nicht in Linz. Wer daraus aber schließt, in Österreich fehle albanische Kulturpräsenz, liegt genau falsch. Albanerinnen und Albaner in Österreich haben es nicht in die Charts geschafft. Sie haben es in den Musikverein geschafft.
Shkëlzen Doli
In Elbasan geboren und in Gjakova aufgewachsen, kam Doli im September 1992 nach Wien und inskribierte im Monat darauf an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er ist seit 1995 Geiger der Wiener Philharmoniker – eine der begehrtesten Orchesterstellen der Welt, gehalten über mehr als dreißig Jahre. Das heißt: Wenn das Neujahrskonzert aus dem Musikverein zu zig Millionen Menschen übertragen wird, spielt ein Albaner aus Gjakova mit.
Foto des Zuschauerraums der Wiener Staatsoper: C. Stadler / Bwag / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Flaka Goranci
In Gjakova geboren und in Tirana ausgebildet, baute die Mezzosopranistin ihre Karriere von Wien aus auf und sang im Konzerthaus, im Musikverein und im Theater an der Wien. Ihr Album La Femme: A Journey of Female Composers aus dem Jahr 2022 erhielt 2023 drei Nominierungen beim deutschen Opus Klassik, darunter als beste Sängerin.
Foto: Venusicon / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Das Muster wiederholt sich quer durch Wiens Institutionen. Eno Peçi, in Tirana geboren und 1998 zu seiner Schwester nach Wien geschickt, wurde Solotänzer des Wiener Staatsballetts – er tanzte die Ballett-Einlagen des Neujahrskonzerts und choreografierte die Eröffnung des Wiener Opernballs 2018 und 2020, des meistgesehenen gesellschaftlichen Ereignisses im österreichischen Kalender; Albaniens Staatspräsident ernannte ihn zum Ambasador i Kombit. Ardita Statovci aus Pristina absolvierte ihr Masterstudium am Mozarteum in Salzburg und gewann den Bösendorfer-Preis 2006; seit 2009 ist sie Young Steinway Artist. Rina Kaçinari, eine Cellistin, die Pristina mit fünfzehn verließ, weil keine Lehrenden mehr da waren, lebt seit 2006 in Wien und gewann mit ihrem Duo Catch-Pop String-Strong den Austrian World Music Award.
Vor der Kamera
Das österreichische Fernsehen hat zwei Schauspieler albanischer Herkunft mit langen Karrieren. Astrit Alihajdaraj kam 1996 nach Wien, wurde mitten im Studium von der Regisseurin Barbara Albert entdeckt und für deren Spielfilmdebüt Nordrand (1999) besetzt – jenen Film, der das zeitgenössische österreichische Kino international bekannt machte. Seine Filmografie umfasst inzwischen 26 Jahre. Elvis Alieva, 1991 im Kosovo geboren, absolvierte die Schauspielschule Krauss in Wien und hat sich in zehn Jahren ein dichtes ORF-Werk erarbeitet, darunter eine wiederkehrende Rolle in CopStories, dazu Bühnenarbeit am Volkstheater und beim Serapions Ensemble.
Und der Feed
Das größte Publikum albanischer Herkunft in Österreich gehört heute weder einer Musikerin noch einem Schauspieler. Almira Azemi, gebürtige Albanerin aus Kumanovo, die seit 2007 in Wien lebt und als Kosmetikerin arbeitet, hat über eine Million Followerinnen und Follower auf TikTok – ein größeres Publikum als jede und jeder albanisch-österreichische Kunstschaffende in irgendeiner Sparte, aufgebaut aus einem Wiener Salon heraus, auf Albanisch und auf Deutsch. Elsa Latifaj, in Baden bei Wien geboren und aufgewachsen, in einer Familie mit kosovarischen Wurzeln, kam 2023 in die 18. Staffel von Germany’s Next Topmodel und arbeitet seither kontinuierlich im deutschsprachigen Reality-Fernsehen.
Gazmend Freitag
Geboren im kosovarischen Dorf Pataçan i Poshtëm, inskribierte Freitag 1988 an der juridischen Fakultät in Pristina – dann brach der Lehrbetrieb zusammen, weil Albanerinnen und Albaner aus der Universität gedrängt wurden. Seit 2010 lebt und malt er in Linz und hat seine Wahlheimat zu einem seiner Motive gemacht: der seltene Fall eines zugewanderten Künstlers, der den Ort malt, an dem er ankam, und nicht jenen, den er verlassen hat.
Foto: Pilly-Elfe / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Prof. Zekirija Sejdini
Geboren in Vrapčište im albanisch geprägten Westen Nordmazedoniens, studierte Sejdini in Kairo und Istanbul und promovierte in Heidelberg, ehe er Gründungsprofessor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Innsbruck wurde. Er hat ein Fach in der österreichischen Wissenschaft verankert – genau das, was Pekmezi ein Jahrhundert zuvor für das Albanische geleistet hatte, in einer anderen Fakultät.
Foto: Universität Innsbruck / Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
Wie finden Albanerinnen und Albaner in Österreich heute zueinander?
Die Treffpunkte der Community sind jene, die sechzig Jahre Zuwanderung hervorgebracht haben: die Moscheevereine und die katholische Mission, die Kulturvereine und ihre jährliche Kulturwoche, der samstägliche muttersprachliche Unterricht in Linz und Wien, die Fußballklubs, die Familienbetriebe entlang des Gürtels und in den Linzer Industrievierteln. Die Albanische Nationale Diaspora-Agentur führt ein umfassenderes offizielles Verzeichnis jener Vereine und Verbände, die dieses Netz zusammenhalten.
Verändert hat sich alles dazwischen. Die albanische Community Österreichs verteilt sich über neun Bundesländer, und die größte einzelne Gruppe von Kosovarinnen und Kosovaren lebt nicht in der Hauptstadt. Jemand in Wels und jemand in Favoriten gehören derselben Community an und begegnen einander vielleicht nie – und genau dieses Problem soll eine Diaspora-Plattform lösen.
Wohin ging man, wenn man andere Albanerinnen und Albaner kennenlernen wollte?
Diese Frage stellt sich in Österreich schärfer als fast irgendwo sonst. Die Community ist groß genug, um eine mittelgroße Stadt zu füllen, und über neun Bundesländer verstreut: Die größte kosovarische Konzentration liegt in Oberösterreich, die größte albanische und die größte nordmazedonische in Wien – 200 Kilometer voneinander entfernt. Eine allgemeine Dating-App in Wels findet die Person in Favoriten nicht.
Sie findet überhaupt nur wenige Albanerinnen und Albaner. Auf einer Mainstream-Plattform ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend gering, dass das nächste Profil albanisch und jemand ist, den man tatsächlich mag – und in einer Community, in der eine Heirat innerhalb der eigenen Kultur nach wie vor eine verbreitete Erwartung ist, ob von der Familie ausgesprochen oder einfach persönlich bevorzugt, entscheidet genau diese Rechnung darüber, wie lange die Suche dauert. Die meisten lösen das so, wie es die Community immer getan hat: über eine Cousine, eine Hochzeit, eine Dorfverbindung, eine Freundin einer Freundin. Das funktioniert – und es bedeutet zugleich, dass die eigenen Möglichkeiten genau so weit reichen wie die Bekanntschaften der Verwandtschaft.
dua.com setzt genau dort an, wo diese Wahrscheinlichkeit versagt. Alle dort teilen bereits die Sprache und den kulturellen Boden, sodass der Pool an möglichen Begegnungen schon vor dem ersten Swipe zur Gänze albanisch sein kann – niemand muss erklären, was Bajram ist, warum ein Telefonat mit der Mutter vierzig Minuten dauert oder was es heißt, wenn die Familie sagt, sie würde einen gern kennenlernen. Ob zwei Menschen zusammenpassen, bleibt eine persönliche und schwierige Frage. Aber die Geografie und die Rechnung sind kein Hindernis mehr.
Verbunden über ganz Österreich – und darüber hinaus
Österreich liegt mitten im deutschsprachigen albanischen Raum. Die Communitys in Bayern, Vorarlberg, der Ostschweiz und Österreich überschneiden sich seit Jahrzehnten über Arbeit, Heirat und Familie – dieselben Dörfer im Kosovo und im Westen Nordmazedoniens haben Menschen in sie alle geschickt. Für eine Community, die in Österreich nicht wählen darf, sich aber frei darin bewegen kann, war der praktische Horizont immer ein regionaler und kein nationaler.
Die Daten aus erster Hand von dua.com zeigen diesen Horizont unmittelbar. Der Flight Mode erlaubt es Mitgliedern, in einer anderen Stadt als der eigenen zu suchen, und Mitglieder, die in Deutschland leben, suchen häufiger innerhalb des DACH-Raums – Deutschland, Schweiz und Österreich – als in Albanien oder im Kosovo. Österreich liegt mitten in der Region, die dieses Muster beschreibt. Die Präferenz besteht nicht einfach darin, zum Herkunftsland der Familie zurückzublicken; ein gemeinsames deutschsprachiges Leben, kurze Wege, vergleichbare Arbeitsrhythmen und schlicht die Möglichkeit, eine Zukunft aufzubauen, ohne das Rechtssystem zu wechseln, scheinen mehr zu wiegen.
In der Praxis heißt das: Wien verbindet sich mit Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck und Wels, aber auch mit München, Zürich, St. Gallen und Stuttgart. Vorarlberg liegt näher an St. Gallen als an Wien, Tirol näher an München. Der Flight Mode macht diese größere deutschsprachige albanische Community durchsuchbar – und damit so etwas wie die einzige zusammenhängende Karte, die diese Diaspora von sich selbst hat.
Sechzig Jahre – und es geht weiter
Die Männer, die unter dem Anwerbeabkommen von 1965 geholt wurden, sind heute Großväter. Ihre Söhne und Töchter waren jene, die 1999 zu ihren Verwandten evakuiert wurden oder in den Jahren dazwischen in österreichischen Spitälern zur Welt kamen. Ihre Enkelkinder bewegen sich zwischen Deutsch und Albanisch, und 16.412 von ihnen geben ihren Schulen Albanisch als erste Alltagssprache an.
Fast niemand aus dieser Generation darf wählen. Sie kamen in Linz, Wien und Wels in ein Staatsbürgerschaftsrecht hinein, das für Gastarbeiter gemacht war, von denen man erwartete, dass sie wieder gehen – und das für die Familien, die geblieben sind, nie umgebaut wurde. Das ist der Sechzig-Jahre-Bogen des albanischen Österreich: eine Community, die das Land früh angeworben hat, auf die es sich durchgehend verlassen hat, die es sorgfältig gezählt hat – und von der es sich noch immer nicht ganz entschieden hat, sie die eigene zu nennen.
Liebe, Familie und die nächste Generation
Alles im Kapitel zur Staatsbürgerschaft entscheidet der Staat. Was zu Hause geschieht, entscheiden die Menschen. Wer albanisch in Österreich aufgewachsen ist, kennt vielleicht dieses besondere Gefühl: Die Community ist groß genug, um eine mittelgroße Stadt zu füllen – und es kann trotzdem eigenartig schwer sein, jemanden zu finden, der beide Hälften des eigenen Lebens gleichzeitig versteht: auf der einen Seite die deutschsprachige Schule und der österreichische Arbeitsrhythmus, auf der anderen die Sprache, die familiäre Nähe und jene kulturelle Erinnerung, die nie übersetzt werden musste.
Genau diese Lücke soll dua.com schließen. Nicht ein abstraktes demografisches Etikett, sondern ein Mensch, der dieselben Witze, dieselben Erwartungen, dieselben Widersprüche und dasselbe Zugehörigkeitsgefühl wiedererkennt – und dem man keine der beiden Hälften erklären muss.
Yllza & Medini: Nachbarstädte, kein Grund sich zu begegnen
Yllza kommt aus Tetovo, Medini aus Gostivar – Nachbarstädte im Westen Nordmazedoniens, und sie hatten ihr ganzes Leben gelebt, ohne einander zu begegnen. Ihr Match kam am 10. Oktober 2024, während er beruflich in Bosnien war; danach sprachen sie rund einen Monat lang nur am Telefon. Ihr erstes Treffen dauerte eineinhalb Stunden. Dreiundvierzig Tage später waren sie verlobt, heirateten mit Fahne und Def – und Yllza hat inzwischen ihr Visum erhalten, um zu ihm nach Deutschland zu ziehen.
Rifat & Ela: ein Arbeitsvisum, ein einsamer Dezember, eine Familie
Rifat verließ Malisheva mit einundzwanzig, mit einem Koffer und einem Arbeitsvisum, Richtung Deutschland und liefert Brot für eine Bäckerei aus, bevor die Stadt erwacht. Sein erster Dezember fern von zu Hause war in mehr als einer Hinsicht kalt; auf dua.com stieß er nachts beim Scrollen durch TikTok. Ela, Make-up-Artistin in Ferizaj, wollte von Dating-Apps nichts wissen, bis ihre Cousinen nicht lockerließen. Ein Like, dann ein Treffen in Ferizaj, das alles veränderte. Heute ziehen sie in Deutschland zwei Kinder groß.
Besarta & Shkëlqim: Lipjan und Kumanovo, über die Schweiz
Besarta hatte sich im Kosovo eine Laufbahn in Marketing und Politik aufgebaut und war überzeugt, Dating-Apps seien für etwas ganz anderes da. Im März 2021, einen Tag vor ihrem dreißigsten Geburtstag, lud sie dua.com herunter – und hatte binnen vier Tagen ein Match mit Shkëlqim. Er stammt aus Kumanovo, wuchs und lernte aber in der Schweiz, und zweifelte daran, dass jemand für ihn ein neues Leben beginnen würde. Ihre Wege kreuzten sich in Tirana. Heute sind sie in der Schweiz verheiratet und haben eine Familie.
Dodona & Benni: ein Jahr vom Match zur Hochzeit
Dodona wuchs in der Schweiz auf, ihre Wurzeln liegen in Prishtina; Benni kam in Aargau als Sohn eines Schweizer Vaters und einer albanischen Mutter aus Gjakova zur Welt und wusste immer, dass er die Ehe wollte, die seine Eltern führten. Sie hatte die App am Tag zuvor installiert. Seine erste Nachricht war schlicht „Do – Dona?“. Eine Woche nach dem Match löschten sie die App gemeinsam; ihr erster Abend in Zürich dauerte dann sieben Stunden. Er machte ihr mitten in einem Schneesturm in Brezovica den Antrag, 2025 haben sie geheiratet – und ihre Tochter trägt heute den Namen der Plattform, die die beiden zusammengebracht hat.
Ansehen: Gentiana und Xhemajl erzählen ihre Geschichte
Gentiana, HR-Fachfrau, aufgewachsen in Berlin, und Xhemajl, Unternehmer in Hamburg, hatten beide Wurzeln in Prishtina – dieselbe Herkunft, an entgegengesetzten Enden jenes Landes, in dem sie tatsächlich lebten. Ihr erstes Telefonat dauerte sechs Stunden. Nach einer schwierigen halbjährigen Trennung entschieden sie sich erneut füreinander, verlobten sich am 3. Oktober 2024 und heirateten im Juli 2025 in Prishtina.
Praktisches Verzeichnis für Albanerinnen und Albaner in Österreich
Amtliche und von der Community getragene Anlaufstellen zu Diplomatie, Arbeit, Sprache und gesellschaftlichem Leben. Die jeweils aktuellen Anforderungen immer auf der verlinkten Seite prüfen.
| Anliegen | Anlaufstelle | Warum diese Quelle |
|---|---|---|
| Konsularische Dienste Albaniens | Botschaft von Albanien in Wien | Offizielle diplomatische Vertretung Albaniens |
| Konsularische Dienste des Kosovo | Vertretungen des Kosovo in Österreich | Offizielles Verzeichnis der Vertretungen |
| Arbeiten in Österreich | migration.gv.at | Bundesportal zur Rot-Weiß-Rot-Karte, zu Kontingenten und Mangelberufen |
| Regeln zur Staatsbürgerschaft | Bundesministerium für Inneres – Staatsbürgerschaft | Amtliche Darstellung der Voraussetzungen und Ausnahmen |
| Albanischunterricht für Kinder | schule mehrsprachig (BMBWF) | Bundesweite Informationen zum muttersprachlichen Unterricht, auch in Albanisch |
| Nachrichten aus der Community | albinfo.at | Die wichtigste österreichische Nachrichtenplattform der albanischen Community |
| Diasporaorganisationen | Verzeichnis der Nationalen Diasporaagentur Albaniens | Amtliches Verzeichnis von Vereinen und Klubs |
Die vollständige Bilanz: was „100.000“ behauptet – und was nicht
Alles bisher Gesagte war die Geschichte. Dieser Abschnitt zeigt ihre Buchführung. Mehr als 100.000 ist die Beschreibung, die diese Seite der Gemeinschaft gibt; rund 75.000 ist das, was die beiden amtlichen Messgrößen gemeinsam zeigen können.
Die zwei Koeffizienten, mit denen diese Seite rechnet
Das Modell arbeitet mit genau zwei Annahmen, beide offengelegt und beide belegt. Die erste ist der Befund der nordmazedonischen Volkszählung 2021, wonach sich 66,36 Prozent der registrierten, nicht im Land ansässigen Bevölkerung als albanisch bezeichneten – eine Zahl für die gesamte Diaspora, keine Erhebung speziell für Österreich, aber weit besser vertretbar, als alle 32.253 in Nordmazedonien geborenen Einwohner als Albaner zu behandeln oder den Anteil von rund 24 Prozent an der Wohnbevölkerung auf eine Gruppe zu übertragen, die sich über Auswanderung definiert. Die zweite ist Österreichs eigene veröffentlichte Zahl, dass 15,4 Prozent der ausländischen Staatsangehörigen in Österreich geboren wurden; sie wird auf die drei Staatsangehörigkeitszeilen angewandt, um die zweite Generation zu schätzen, die noch einen ausländischen Pass hat. Kosovo und Albanien gehen ganz ohne Koeffizienten mit ihren vollen veröffentlichten Werten ein.
Warum der Geburtsort die bessere Grundlage ist – und wo auch er versagt
Das Geburtsland erfasst die erste Generation unabhängig davon, welchen Pass sie heute besitzt, und genau deshalb bildet es hier das Fundament. Wer aber in Österreich geboren wurde, bleibt für diese Messgröße unsichtbar, und die Gemeinschaft in Österreich ist alt genug, dass daraus ein großer blinder Fleck wird. Umgekehrt erfasst die Staatsangehörigkeit die in Österreich geborenen Kinder, die den Pass der Familie behalten haben, verliert aber alle, die eingebürgert wurden. Keine der beiden Messgrößen ist für sich genommen die Gemeinschaft; zusammengeführt und mit offengelegter Überschneidung ergeben sie eine Untergrenze von rund 75.000.
Die Wege, die sichtbar bleiben und doch mit null zählen
Ein Weg geht nur dann in die Zwischensumme ein, wenn Österreich eine Bevölkerungszahl veröffentlicht und ein vertretbarer ethnischer Schlüssel vorliegt. Fehlt eines von beidem, wird die Zeile angeführt und trägt nichts bei.
| Weg | Was die österreichischen Daten zeigen | Warum keine Zahl addiert wird | Behandlung |
|---|---|---|---|
| Serbien / Preševo-Tal | 141.785 in Serbien geborene Einwohner und 122.527 serbische Staatsangehörige in Österreich | Serbiens Albaner-Anteil von rund 0,9 % an der Wohnbevölkerung ist kein Diaspora-Anteil für Österreich, und die Zuwanderung aus dem Preševo-Tal wird nicht gesondert erfasst | Angeführt, nicht addiert |
| Montenegro | 2.240 in Montenegro geborene Einwohner; die montenegrinische Volkszählung 2023 wies 4,97 % Albaner aus | Die österreichische Zeile ist klein, und es existiert kein ethnischer Schlüssel speziell für Österreich | Angeführt, nicht addiert |
| Eingebürgerte Familien | 10.597 Einbürgerungen aus den vier albanischen Herkunftsstaaten, 2014–2025 | Ihre in Österreich geborenen Kinder scheinen in keiner Herkunftszeile auf; eine Stromgröße zu einer Bestandsgröße zu addieren, würde die Eltern doppelt zählen | Nur Kontext |
| Dritte Generation | Keine österreichische Tabelle verfolgt die Herkunft über Geburtsort und Staatsangehörigkeit hinaus | Die Enkelkinder der Gastarbeiter der 1960er-Jahre sind statistisch gesehen schlicht Österreicher | Unsichtbar |
Ein Datenbruch, den man offenlegen muss
Zwischen dem 1. Jänner 2025 und dem 1. Jänner 2026 stieg die Zahl der im Kosovo geborenen Einwohner Österreichs um 3.045 auf 39.298 – weit über dem jüngsten Trend von rund 800 pro Jahr –, während jene der in Serbien Geborenen um 2.727 sank. Auf der Seite der Staatsangehörigkeit gab es keinen vergleichbaren Sprung, und die Zahl der Einwohner mit unbekanntem Geburtsland fiel im selben Schritt von 15.674 auf 7.094. Das trägt die Handschrift einer Umkodierung – Datensätze, die zuvor unter Serbien oder unter gar keinem Land geführt wurden, werden nun dem Kosovo zugeordnet – und nicht die einer plötzlichen Zuwanderungswelle. An der Größe der Gemeinschaft ändert das nichts; es ändert nur, welche Zeile sie beschreibt. Wer diese Seite mit einer älteren österreichischen Zahl vergleicht, sollte wissen, dass der Wert der im Kosovo Geborenen für 2026 jenseits dieser Revision liegt.
Eine unabhängige Gegenprobe, die ohne Pässe auskommt
Die 16.412 Schülerinnen und Schüler, die Albanisch als erste Alltagssprache angeben, lassen sich dem Modell nicht hinzurechnen – viele von ihnen stecken bereits in den Zeilen zu Geburtsland und Staatsangehörigkeit, und manche haben einen österreichischen Pass. Erklären lassen sie sich aber ebenso wenig mit 61.444 Passinhabern, zumal die Zahl jeden zweisprachigen Haushalt ausblendet, in dem Deutsch die dominante Sprache ist. Zusammen mit den nicht addierten Wegen macht das mehr als 100.000 zur ehrlichen Beschreibung der gelebten Gemeinschaft.
Diese Bilanz soll die Geschichte nicht schwächen, sondern zeigen, wo sie beginnt. Österreich liefert uns, ungewöhnlich genug, zwei ehrliche Messgrößen. Gemeinsam verwendet und klar benannt, zeigen sie eine Gemeinschaft von rund 75.000, die der Staat sehen kann – und eine größere, jenseits der 100.000, die zu zählen er nie eingerichtet wurde.
Häufig gestellte Fragen zu Albanern in Österreich
Wie viele Albaner leben in Österreich?
Mehr als 100.000 ist die glaubwürdigste Beschreibung. Rund 75.000 davon sind unmittelbar sichtbar: 78.074 Einwohnerinnen und Einwohner wurden im Kosovo, in Nordmazedonien oder in Albanien geboren (wobei der nordmazedonische Wert um den albanischen Anteil gewichtet ist), dazu geschätzte 8.000 in Österreich Geborene, die weiterhin einen dieser Pässe besitzen. Österreich erfasst keine ethnische Zugehörigkeit, eine amtliche Gesamtzahl ethnischer Albaner existiert daher nicht.
Warum hat Österreich zwei verschiedene Zahlen für dieselbe Community?
Weil es beides veröffentlicht: Staatsangehörigkeit und Geburtsland. Am 1. Jänner 2026 besaßen 61.444 Menschen die kosovarische, nordmazedonische oder albanische Staatsbürgerschaft, während 78.074 in diesen Ländern geboren waren. Die Differenz von 16.630 sind überwiegend Menschen, die dort geboren wurden und inzwischen Österreicher geworden sind. Deutschland hat keine vergleichbare registerbasierte Jahresreihe zum Geburtsland nach Herkunftsstaat.
In welchem Bundesland leben die meisten Albaner?
In Wien, gemessen am kombinierten Wert: 26.970 Einwohnerinnen und Einwohner, die im Kosovo, in Nordmazedonien oder in Albanien geboren wurden. Oberösterreich zählt allerdings mehr kosovarische Staatsangehörige als Wien – 8.216 gegenüber 7.501 – und beim Geburtsland Kosovo liegen die beiden gleichauf. Wien, Oberösterreich und Niederösterreich zusammen stellen rund drei Viertel der Community.
Wann kamen die ersten Albaner nach Österreich?
Einzelne Persönlichkeiten weit früher: Carl Ritter von Ghega baute in den 1850er-Jahren die Semmeringbahn. Die moderne Community aber begann mit dem österreichisch-jugoslawischen Anwerbeabkommen, das am 19. November 1965 in Wien unterzeichnet wurde – drei Jahre vor jenem der Bundesrepublik Deutschland. Albaner aus dem Kosovo und aus dem Westen Nordmazedoniens kamen an, erfasst wurden sie aber nur als Jugoslawen.
Kann ich meinen kosovarischen oder albanischen Pass behalten, wenn ich Österreicher werde?
Grundsätzlich nein. Das österreichische Recht verleiht die Staatsbürgerschaft nur unter der Bedingung, dass Sie das Ausscheiden aus Ihrem bisherigen Staatsverband nachweisen, und versagt sie ganz, wenn Sie die nötigen Schritte nicht setzen. Es gibt eng gefasste Ausnahmen, vor allem für Nachkommen von Opfern der NS-Verfolgung nach §58c. Das ist der wichtigste Grund, warum Österreichs Einbürgerungsrate zu den niedrigsten Europas zählt.
Wie viele Albaner werden jedes Jahr österreichische Staatsbürger?
2025 bürgerte Österreich 414 ehemalige Staatsangehörige des Kosovo ein, dazu 272 nordmazedonische, 105 albanische und 11 montenegrinische. Über die Jahre 2014–2025 wurden aus diesen vier Herkunftsstaaten insgesamt 10.597 neue Österreicherinnen und Österreicher. Österreichs Einbürgerungsrate lag 2025 insgesamt bei 0,8 Prozent der ausländischen Wohnbevölkerung.
Dürfen Albaner in Österreich wählen?
Nur wenn sie die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen – ein kommunales Wahlrecht für Drittstaatsangehörige gibt es nicht, und Wiens Versuch aus dem Jahr 2003, eines zu schaffen, wurde 2004 vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben. Bei der Wiener Gemeinderatswahl im April 2025 konnten 610.795 Menschen im wahlfähigen Alter (35,6 Prozent) nicht wählen. Davon unabhängig waren 27.082 erwachsene Wienerinnen und Wiener in Österreich geboren, ohne einen österreichischen Pass zu besitzen (Stand Anfang 2023).
Wo können Kinder in Österreich Albanisch lernen?
Im staatlich geförderten muttersprachlichen Unterricht, der Albanisch seit 1987 anbietet und 2018/19 mit 22 Lehrkräften 1.651 Schülerinnen und Schüler erreichte – die viertgrößte von 26 Sprachen im System. Am dichtesten ist das Angebot in Oberösterreich, der Steiermark und Wien. Das BMBWF-Portal „schule mehrsprachig“ listet die aktuellen Angebote auf.
Dürfen Staatsangehörige des Kosovo in Österreich arbeiten?
Ja, über klar definierte Wege. Die Saisonkontingentverordnung 2026 reserviert 2.500 Saisonplätze eigens für Staatsangehörige von Bosnien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien, zusätzlich zu einem Tourismuskontingent von 5.500. Fachkräfte können die Rot-Weiß-Rot-Karte nach der jährlichen Mangelberufsliste beantragen. Ein direktes Gegenstück zur deutschen Westbalkanregelung gibt es in Österreich nicht.
Wie viel Geld schicken Albaner aus Österreich nach Hause?
Die Zentralbank des Kosovo verzeichnete 2025 59,1 Millionen Euro aus Österreich – 4,18 Prozent des gesamten Zuflusses in den Kosovo und damit das viertwichtigste Herkunftsland nach Deutschland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Das sind 154 Prozent mehr als die 23,2 Millionen Euro im Jahr 2015; seit 2009 sind rund 671 Millionen Euro aus Österreich in den Kosovo geflossen.
Albaner in der Diaspora
Die albanische Community ist über ganz Europa verteilt – am grössten ist sie in der DACH-Region. Erfahre mehr über Albaner in der Schweiz und Albaner in Deutschland.






